Inhalt (5 Abschnitte)
- Im Statusfeststellungsverfahren entscheidet die Deutsche Rentenversicherung Bund nach einer Gesamtwürdigung aller Umstände, ob ein Auftragsverhältnis eine Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit ist (§ 7a SGB IV).
- Die Beteiligten können den Antrag stellen; die Krankenkasse als Einzugsstelle muss ihn stellen, wenn die Meldung einen geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH, einen Ehegatten, Lebenspartner oder Abkömmling des Arbeitgebers ausweist (§ 7a Abs. 1 Satz 2).
- Auf Antrag entscheidet die DRV schon vor Aufnahme der Tätigkeit (§ 7a Abs. 4a); diese Prognoseentscheidung ist nach Abs. 7 bis 30.06.2027 befristet.
- Wird der Antrag binnen eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit gestellt und eine Beschäftigung festgestellt, beginnt diese unter Voraussetzungen erst mit Bekanntgabe der Entscheidung (§ 7a Abs. 5).
- Widerspruch und Klage gegen die Entscheidung haben aufschiebende Wirkung (§ 7a Abs. 6).
Das Statusfeststellungsverfahren ist das Verfahren, in dem die Deutsche Rentenversicherung Bund verbindlich entscheidet, ob ein Auftragsverhältnis eine Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit ist (§ 7a SGB IV). Den Antrag können die Beteiligten stellen; bei geschäftsführenden Gesellschaftern einer GmbH muss ihn die Krankenkasse stellen. Auf Antrag entscheidet die DRV schon vor Beginn der Tätigkeit; wer binnen eines Monats nach Aufnahme beantragt, kann einen späteren Beginn der Versicherungspflicht erreichen. Stand: Oktober 2026.
Statusfeststellungsverfahren: was es klärt
Seit dem 01.04.2022 heißt § 7a SGB IV „Feststellung des Erwerbsstatus“: Die Deutsche Rentenversicherung Bund entscheidet, ob ein Auftragsverhältnis eine Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit darstellt – eine sogenannte Elementenfeststellung, die den Erwerbsstatus klärt (Wissenschaftliche Dienste des Bundestags, WD 6 – 029/25). Grundlage ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls (§ 7a Abs. 2 SGB IV). Die Entscheidung bindet die anderen Versicherungsträger – auch deine Krankenkasse. Häufig ist von der „Clearingstelle“ der DRV die Rede; gemeint ist die zuständige Stelle der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Für die Krankenversicherung ist das Ergebnis entscheidend. Liegt eine Beschäftigung vor, bist du als Arbeitnehmer bis zur Versicherungspflichtgrenze gesetzlich pflichtversichert – 2026 bis 77.400 € Jahresarbeitsentgelt, 2027 laut Kabinettsbeschluss vom 07.10.2026 bis 84.150 € (Bundesrat ausstehend). Bist du selbstständig, wählst du zwischen freiwilliger GKV und PKV. Die Frage, ob eine Selbstständigkeit hauptberuflich ist, beurteilt dagegen die Krankenkasse – siehe hauptberuflich selbstständig: Definition.
Wer den Antrag stellt
- Freiwillig durch die Beteiligten: Auftraggeber und Auftragnehmer können schriftlich oder elektronisch eine Entscheidung beantragen – es sei denn, die Einzugsstelle oder ein anderer Versicherungsträger hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Verfahren zur Feststellung von Versicherungspflicht aufgrund einer Beschäftigung eingeleitet (§ 7a Abs. 1 Satz 1 SGB IV).
- Pflichtantrag der Krankenkasse: Die Einzugsstelle muss den Antrag stellen, wenn sich aus der Meldung des Arbeitgebers ergibt, dass der Beschäftigte Ehegatte, Lebenspartner oder Abkömmling des Arbeitgebers oder geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH ist (§ 7a Abs. 1 Satz 2 SGB IV).
- Dritte: Wird die Tätigkeit für einen Dritten erbracht und gibt es Anhaltspunkte für eine Eingliederung in dessen Organisation, stellt die DRV auch fest, ob das Beschäftigungsverhältnis zu diesem Dritten besteht; der Dritte kann dann ebenfalls einen Antrag stellen (§ 7a Abs. 2).
Für Geschäftsführer einer GmbH oder UG ist der Pflichtantrag der wichtigste Fall. Was die DRV dort prüft – Kapitalanteil, Sperrminorität im Gesellschaftsvertrag, Weisungsfreiheit –, erklärt der Ratgeber Statusfeststellung für Geschäftsführer; eine erste Orientierung gibt der GmbH-Status-Check.
Ablauf und Fristen in Kürze
Nach dem Antrag fordert die DRV Bund die nötigen Angaben und Unterlagen mit einer angemessenen Frist an (§ 7a Abs. 3), hört die Beteiligten an (Abs. 4) und entscheidet nach einer Gesamtwürdigung; Widerspruch und Klage haben aufschiebende Wirkung (Abs. 6). Wird der Antrag innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit gestellt, kann eine festgestellte Beschäftigung unter Voraussetzungen erst mit Bekanntgabe der Entscheidung beginnen (Abs. 5). Wie lange ein Verfahren dauert, hängt vom Einzelfall ab; belastbare Durchschnittswerte nennen wir nicht.
Den Ablauf Schritt für Schritt – mit Unterlagen, Fristen und den Folgen für die Krankenversicherung von Geschäftsführern – erklärt der Ratgeber Statusfeststellung als Geschäftsführer; deine Daten rechnet der Fristenrechner.
Nur Information, keine Rechtsberatung.Für die Gestaltung von Gesellschafts- und Geschäftsführerverträgen sind Fachanwälte und Steuerberater zuständig; verbindlich entscheidet die Deutsche Rentenversicherung Bund.
Prognose, Gruppengutachten, Dreieck: die Sonderformen
| Instrument | Was es leistet | Fundstelle |
|---|---|---|
| Prognoseentscheidung | Entscheidung schon vor Aufnahme der Tätigkeit auf Grundlage der Verträge und der beabsichtigten Umstände; Änderungen bis einen Monat nach Aufnahme sind mitzuteilen | § 7a Abs. 4a |
| Gruppengutachten | Auf Antrag des Auftraggebers gutachterliche Äußerung zu gleichen Auftragsverhältnissen; sie ist dem neuen Auftragnehmer auszuhändigen | § 7a Abs. 4b |
| Vertrauensschutz aus dem Gutachten | Wird später für ein gleiches Auftragsverhältnis doch eine Beschäftigung festgestellt, tritt Versicherungspflicht unter Voraussetzungen erst mit Bekanntgabe ein (für Verträge binnen zwei Jahren) | § 7a Abs. 4c |
| Dreiecksverhältnis | Feststellung, ob die Beschäftigung zum Dritten besteht, für den die Tätigkeit erbracht wird | § 7a Abs. 2 Satz 2 und 3 |
| Mündliche Anhörung im Widerspruch | gemeinsam mit den anderen Beteiligten, auf Antrag nach Begründung des Widerspruchs | § 7a Abs. 6 Satz 2 |
Was das Ergebnis für deine Krankenversicherung bedeutet
| Ergebnis | Krankenversicherung | Zuschuss |
|---|---|---|
| Beschäftigung, Entgelt bis zur Versicherungspflichtgrenze | gesetzlich pflichtversichert; eine PKV ist dann nicht zulässig | Arbeitgeber trägt die Hälfte |
| Beschäftigung, Entgelt über der Grenze (77.400 €) | versicherungsfrei: freiwillige GKV oder PKV | Arbeitgeberzuschuss nach § 257 SGB V, 2026 höchstens 613,22 € |
| selbstständige Tätigkeit | freiwillige GKV oder PKV; Krankengeld in der GKV nur mit Wahlerklärung | kein gesetzlicher Zuschuss |
Plane deine Krankenversicherung so, dass sie zu beiden möglichen Ergebnissen passt. Was das für Freelancer bedeutet, die überwiegend für einen Auftraggeber arbeiten, steht unter Krankenversicherung für Freelancer. Den Gesamtüberblick für Geschäftsführer gibt Krankenversicherung als GmbH-Geschäftsführer; weitere Begriffe erklärt das Lexikon.
Häufige Fragen
Was ist ein Statusfeststellungsverfahren?
Ein Verfahren der Deutschen Rentenversicherung Bund, in dem sie auf Antrag verbindlich entscheidet, ob ein Auftragsverhältnis eine Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit darstellt (§ 7a SGB IV). Andere Versicherungsträger, auch die Krankenkasse, sind an die Entscheidung gebunden.
Wer muss ein Statusfeststellungsverfahren beantragen?
Grundsätzlich ist der Antrag freiwillig. Die Einzugsstelle, also die Krankenkasse, muss ihn aber stellen, wenn sich aus der Meldung des Arbeitgebers ergibt, dass der Beschäftigte Ehegatte, Lebenspartner oder Abkömmling des Arbeitgebers oder geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH ist (§ 7a Abs. 1 Satz 2 SGB IV).
Kann ich die Statusfeststellung schon vor Beginn der Tätigkeit beantragen?
Ja. Auf Antrag der Beteiligten entscheidet die DRV bereits vor Aufnahme der Tätigkeit, auf Grundlage der schriftlichen Vereinbarungen und der beabsichtigten Umstände (§ 7a Abs. 4a SGB IV). Ändert sich bis einen Monat nach Aufnahme etwas, musst du das mitteilen. Die Regelung ist nach § 7a Abs. 7 bis zum 30.06.2027 befristet.
Was passiert, wenn die DRV eine Beschäftigung feststellt?
Dann gelten die Regeln für Arbeitnehmer: Versicherungspflicht in der Sozialversicherung, in der Krankenversicherung bis zur Versicherungspflichtgrenze (77.400 € im Jahr 2026). Wurde der Antrag binnen eines Monats nach Aufnahme gestellt, kann die Versicherungspflicht erst mit Bekanntgabe der Entscheidung beginnen, wenn du zustimmst und für die Zwischenzeit abgesichert warst (§ 7a Abs. 5).
Hat ein Widerspruch gegen die Statusentscheidung aufschiebende Wirkung?
Ja. Widerspruch und Klage gegen Entscheidungen, dass eine Beschäftigung vorliegt, haben aufschiebende Wirkung (§ 7a Abs. 6 SGB IV). Im Widerspruchsverfahren können die Beteiligten nach Begründung eine mündliche Anhörung beantragen. Lass dich zu Rechtsmitteln von einem Fachanwalt beraten.
Quellen
- § 7a SGB IV – Feststellung des Erwerbsstatus – abgerufen 10.10.2026
- Deutsche Rentenversicherung: Statusfeststellung – abgerufen 10.10.2026
- Niederrheinische IHK: Merkblatt Sozialversicherungspflicht von GmbH-Geschäftsführer/-innen – Stand Juni 2025
- Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV (WD 6 – 029/25)
- § 6 SGB V – Versicherungsfreiheit
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Kranken- und Pflegeversicherung von Gründern, Selbstständigen und GmbH-Geschäftsführern (Stand: 12. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Status- und Steuerfragen sind hier nur allgemein dargestellt; verbindlich entscheiden Deutsche Rentenversicherung, Krankenkasse und Finanzamt. Herausgeber: PKV-Gründer.de. PKV-Gründer.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.