Inhalt (13 Abschnitte)
- Krankenversicherung als GmbH-Geschäftsführer: erst der Status, dann die Kasse
- Gesellschafter-Geschäftsführer mit Mehrheit: freie Wahl, volle Verantwortung
- Fremd- und Minderheitsgeschäftsführer: versichert wie Angestellte
- Statusfeststellung: wer beantragt, wer entscheidet
- GmbH-Geschäftsführer: Wer zahlt die Krankenversicherung?
- Sonderfälle: UG, ohne Gehalt, Nebenjob, mehrere Gesellschaften
- Krankentagegeld für Geschäftsführer
- Drei Geschäftsführer, drei Rechnungen
- Weitere Konstellationen: GmbH & Co. KG, Treuhand, mehrere Geschäftsführer
- Rentenversicherung: was der Status noch bedeutet
- Häufige Irrtümer von Geschäftsführern
- GKV oder PKV als Geschäftsführer – woran du es festmachst
- Dein Fahrplan als Geschäftsführer in sechs Schritten
- Fremdgeschäftsführer und Minderheits-Gesellschafter ohne umfassende Sperrminorität sind in der Regel Beschäftigte: gesetzlich pflichtversichert bis zur Jahresarbeitsentgeltgrenze von 77.400 € (2026), 2027 laut Kabinettsbeschluss 84.150 €.
- Gesellschafter-Geschäftsführer mit mindestens 50 % oder einer umfassenden Sperrminorität im Gesellschaftsvertrag sind nach der Rechtsprechung meist selbstständig – sie wählen frei zwischen freiwilliger GKV und PKV (BSG, 14.03.2018).
- Bei geschäftsführenden Gesellschaftern beantragt die Krankenkasse die Statusfeststellung bei der DRV Bund (§ 7a Abs. 1 SGB IV); verbindlich entscheidet nur die DRV.
- Einen gesetzlichen Zuschuss der GmbH zur PKV gibt es nur bei Beschäftigung (§ 257 SGB V), 2026 höchstens 613,22 €; selbstständige Gesellschafter-Geschäftsführer zahlen ihren Beitrag selbst.
- Freiwillig versichert zahlt ein selbstständiger Geschäftsführer bis zum Höchstbeitrag von 1.261,31 € (2026, kinderlos, mit Krankengeld) – auf Gehalt und Ausschüttungen.
Die Krankenversicherung eines GmbH-Geschäftsführers hängt von seinem sozialversicherungsrechtlichen Status ab: Fremd- und Minderheitsgeschäftsführer sind meist beschäftigt und bis 77.400 € Jahresgehalt (2026) gesetzlich pflichtversichert, darüber versicherungsfrei mit Arbeitgeberzuschuss bis 613,22 €. Gesellschafter-Geschäftsführer mit mindestens 50 % oder umfassender Sperrminorität sind nach der Rechtsprechung meist selbstständig und wählen frei zwischen freiwilliger GKV und PKV – ohne gesetzlichen Zuschuss. Verbindlich entscheidet die Deutsche Rentenversicherung Bund.
Krankenversicherung als GmbH-Geschäftsführer: erst der Status, dann die Kasse
Ein GmbH-Geschäftsführer ist rechtlich das Organ der Gesellschaft – sozialversicherungsrechtlich kann er trotzdem Arbeitnehmer sein. Maßgeblich ist das Gesamtbild nach § 7 Abs. 1 SGB IV: Arbeitet jemand nach Weisungen und eingegliedert in die Organisation eines anderen, ist er beschäftigt. Beim Geschäftsführer fragt das Bundessozialgericht vor allem: Kann er Weisungen der Gesellschafterversammlung, die ihm nicht passen, rechtlich verhindern? Mit seinen Urteilen vom 14.03.2018 (B 12 KR 13/17 R, B 12 R 5/16 R) hat es klargestellt, dass dafür die im Gesellschaftsvertrag verankerte Rechtsmacht zählt – nicht Familienbande, Fachwissen oder die Praxis, dass „niemand reinredet“.
Daraus ergeben sich drei typische Gruppen. Die Tabelle ist eine Orientierung nach Rechtsprechung und Kammer-Merkblatt; die verbindliche Entscheidung trifft die Deutsche Rentenversicherung Bund im Statusfeststellungsverfahren (§ 7a SGB IV).
| Gruppe | Status in der Regel | Krankenversicherung | Zuschuss der GmbH |
|---|---|---|---|
| Fremdgeschäftsführer (kein Anteil) | Beschäftigung | pflichtversichert bis 77.400 € (2027: 84.150 €), darüber Wahl GKV/PKV | gesetzlich: GKV-Arbeitgeberanteil bzw. PKV-Zuschuss bis 613,22 € |
| Minderheits-Gesellschafter ohne umfassende Sperrminorität | Beschäftigung | wie Fremdgeschäftsführer | wie Fremdgeschäftsführer |
| Gesellschafter ab 50 % oder mit umfassender Sperrminorität im Gesellschaftsvertrag | selbstständige Tätigkeit | freie Wahl: freiwillige GKV oder PKV | kein gesetzlicher Anspruch (§ 257 SGB V) |
Wo du stehst, zeigt der GmbH-Status-Check in zwei Minuten – als Information, nicht als Entscheidung.
Gesellschafter-Geschäftsführer mit Mehrheit: freie Wahl, volle Verantwortung
Hältst du mindestens 50 % des Stammkapitals oder steht dir im Gesellschaftsvertrag eine Sperrminorität zu, die sich auf alle Angelegenheiten der Gesellschaft erstreckt, spricht das nach der Rechtsprechung regelmäßig gegen eine Beschäftigung. Dann bist du nicht versicherungspflichtig und entscheidest selbst:
Freiwillige GKV
Beitrag auf alle Einnahmen zum Lebensunterhalt bis zur Bemessungsgrenze – Geschäftsführergehalt, Gewinnausschüttungen, Mieten (§ 240 SGB V). Mindestens auf 1.318,33 €, höchstens auf 5.812,50 € im Monat (2026). Du zahlst allein; Krankengeld nur mit Wahlerklärung ab der 7. Woche.
Private Krankenversicherung
Beitrag nach Alter, Gesundheit und Tarif, unabhängig vom Einkommen. Rundum-Tarife kosteten für 35-Jährige 649 bis 1.137 € im Monat (Finanztest 3/2025). Krankentagegeld vereinbarst du nach Bedarf, Familienmitglieder brauchen eigene Verträge.
Gesellschafter-Geschäftsführer mit hohem Einkommen zahlen in der GKV oft den Höchstbeitrag: 2026 1.261,31 € im Monat (kinderlos, mit Krankengeld, Zusatzbeitrag 2,9 %), 2027 laut Kabinettsbeschluss 1.402,50 €. Das macht die PKV für viele attraktiv – wer aber Kinder hat oder plant, einen Partner ohne eigenes Einkommen absichern muss oder absehbar weniger verdient, rechnet besser zweimal. Mehr in den Ratgebern PKV als Gesellschafter-Geschäftsführer und freiwillige Krankenversicherung für Gesellschafter-Geschäftsführer.
Mindest- und Höchstbeitrag für Selbstständige
Kranken- und Pflegeversicherung pro Monat, mit Krankengeld, kinderlos, Zusatzbeitrag 2,9 %
Eigene Berechnung nach §§ 240, 241, 243 SGB V und Rechengrößen 2026; *2027 laut Kabinettsbeschluss vom 07.10.2026 und Pflegereform-Entwurf (Bundesrat ausstehend), Zusatzbeitrag 2027 als Annahme.
Fremd- und Minderheitsgeschäftsführer: versichert wie Angestellte
Bist du nicht oder nur in geringem Umfang beteiligt und hast keine umfassende Sperrminorität, spricht vieles für eine Beschäftigung. Dann gilt für dich, was für jeden Angestellten gilt: Versicherungspflicht in der GKV, solange dein regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Versicherungspflichtgrenze nicht übersteigt – 2026 77.400 €, 2027 laut Kabinettsbeschluss 84.150 € (Zustimmung des Bundesrats ausstehend). Die GmbH trägt die Hälfte des Beitrags.
Liegst du darüber, bist du versicherungsfrei (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V) und kannst in die PKV wechseln. Wird die Grenze erst durch eine Gehaltserhöhung im laufenden Vertrag überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres – und nur, wenn auch die Grenze des Folgejahres überschritten wird (§ 6 Abs. 4 SGB V). In der PKV zahlt die GmbH einen Zuschuss in Höhe der Hälfte des Beitrags, höchstens den Arbeitgeberanteil bei Versicherungspflicht – 2026 613,22 € inklusive Pflege (§ 257 SGB V). Bleibst du freiwillig in der GKV, bekommst du ebenfalls einen Zuschuss (§ 257 Abs. 1 SGB V). Details erklärt Krankenversicherung für Fremdgeschäftsführer.
| Variante | Gesamtbeitrag | Anteil GmbH | Dein Anteil |
|---|---|---|---|
| GKV, pflichtversichert oder freiwillig | 1.261,31 € | 613,22 € | 648,09 € |
| PKV, Beispielbeitrag 650 € | 650,00 € | 325,00 € | 325,00 € |
Statusfeststellung: wer beantragt, wer entscheidet
Seit April 2022 muss die Krankenkasse als Einzugsstelle die Statusfeststellung bei der Deutschen Rentenversicherung Bund beantragen, wenn die Anmeldung zur Sozialversicherung einen geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH ausweist (§ 7a Abs. 1 Satz 2 SGB IV; IHK-Merkblatt). Du kannst den Antrag auch selbst stellen – auf Wunsch schon vor Aufnahme der Tätigkeit auf Basis der geplanten Verträge (§ 7a Abs. 4a SGB IV). Diese Prognoseentscheidung ist befristet: Die Regelung tritt nach § 7a Abs. 7 SGB IV mit Ablauf des 30.06.2027 außer Kraft – wer sie nutzen will, sollte den Antrag rechtzeitig vorher stellen. Stellst du ihn innerhalb eines Monats nach Beginn und stellt die DRV eine Beschäftigung fest, beginnt diese unter Bedingungen erst mit Bekanntgabe der Entscheidung (§ 7a Abs. 5 SGB IV): Du musst zustimmen und für die Zwischenzeit selbst gegen Krankheit und fürs Alter abgesichert gewesen sein.
1. Unterlagen bereitlegen
Gesellschaftsvertrag, Gesellschafterliste, Geschäftsführervertrag, Gesellschafterbeschlüsse, ggf. Vereinbarungen zu Stimmrechten. Die DRV nennt dir, was sie braucht, und setzt eine Frist (§ 7a Abs. 3 SGB IV).
2. Anhörung abwarten
Vor der Entscheidung teilt die DRV mit, wie sie entscheiden will, und gibt Gelegenheit zur Stellungnahme (§ 7a Abs. 4 SGB IV).
3. Krankenversicherung passend wählen
Plane so, dass beide Ergebnisse funktionieren: Eine PKV ist bei Beschäftigung unter der Grenze nicht zulässig, eine freiwillige GKV bei Selbstständigkeit ohne Zuschuss teurer.
Widerspruch und Klage gegen die Entscheidung haben aufschiebende Wirkung (§ 7a Abs. 6 SGB IV). Ausführlich: Statusfeststellung für Geschäftsführer. Die Frist rechnet der Fristenrechner.
GmbH-Geschäftsführer: Wer zahlt die Krankenversicherung?
Diese Frage stellen Gesellschafter-Geschäftsführer am häufigsten – und hier verläuft die Grenze zwischen Sozialversicherungs- und Steuerrecht. Die Sozialversicherungsseite ist klar: Einen gesetzlichen Zuschuss zur PKV nach § 257 SGB V gibt es nur für Beschäftigte, die wegen der Versicherungspflichtgrenze versicherungsfrei sind. Nur dieser gesetzlich geschuldete Zuschuss ist nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfrei. Ist der Gesellschafter-Geschäftsführer selbstständig, besteht kein solcher Anspruch.
Ob die GmbH dir dennoch einen Teil des Beitrags erstatten darf und wie das zu behandeln ist – als steuerpflichtiger Arbeitslohn, und mit welchem Risiko einer verdeckten Gewinnausschüttung, wenn es nicht im Voraus klar vereinbart ist –, ist eine Steuerfrage für deinen Steuerberater. Wir behandeln sie nur allgemein im Ratgeber Zuschuss der GmbH zur privaten Krankenversicherung. Wie Beiträge in deiner Steuererklärung berücksichtigt werden, erklärt PKV-Beiträge für Selbstständige steuerlich ebenfalls nur allgemein.
Kein Zuschuss „auf Verdacht“.Zahlt die GmbH einem Gesellschafter-Geschäftsführer einen „Arbeitgeberzuschuss“, obwohl er nicht beschäftigt ist, kann das steuerliche Folgen haben. Umgekehrt kann eine spätere Statusentscheidung Beiträge rückwirkend auslösen. Kläre Status und Steuer, bevor die GmbH zahlt.
Sonderfälle: UG, ohne Gehalt, Nebenjob, mehrere Gesellschaften
- UG (haftungsbeschränkt): Für ihre Geschäftsführer gelten dieselben Kriterien wie bei der GmbH. Weil das Gehalt anfangs oft klein ist, greift in der freiwilligen GKV häufig die Mindestbemessung von 1.318,33 € – Beitrag ab 286,08 € (2026, mit Krankengeld, kinderlos). Mehr: Krankenversicherung als UG-Geschäftsführer.
- Ohne Gehalt: Wer als Gesellschafter-Geschäftsführer kein Gehalt bezieht, zahlt in der freiwilligen GKV auf seine übrigen Einnahmen, mindestens auf die Mindestbemessung. Eine beitragsfreie Familienversicherung scheidet aus, wenn du hauptberuflich selbstständig bist oder dein Gesamteinkommen 565 € im Monat übersteigt. Mehr: Geschäftsführer ohne Gehalt.
- Nebenjob oder zweite Anstellung: Eine Anstellung neben der GmbH macht dich nicht automatisch gesetzlich pflichtversichert. Bist du hauptberuflich selbstständig, bleibt es dabei (§ 5 Abs. 5 SGB V); die Kassen prüfen Zeitaufwand und Einkommen nach festen Grundannahmen. Mehr: Geschäftsführer mit Nebenjob.
- Ab 55: Wer nach dem 55. Geburtstag versicherungspflichtig würde und in den fünf Jahren davor nicht gesetzlich versichert, sondern mindestens die Hälfte der Zeit versicherungsfrei oder hauptberuflich selbstständig war, bleibt versicherungsfrei (§ 6 Abs. 3a SGB V). Der Weg zurück in die GKV ist dann praktisch versperrt.
Krankentagegeld für Geschäftsführer
Fällst du länger aus, hängt dein Einkommen an zwei Dingen: dem Geschäftsführervertrag und deiner Versicherung. Viele Verträge sehen eine Gehaltsfortzahlung bei Krankheit vor, oft für sechs Wochen. Danach zahlt bei beschäftigten, gesetzlich versicherten Geschäftsführern die Kasse Krankengeld. Selbstständige Gesellschafter-Geschäftsführer in der freiwilligen GKV bekommen Krankengeld nur mit Wahlerklärung ab der 7. Woche – 70 % der Bemessung, 2026 höchstens 135,63 € pro Tag. In der PKV brauchst du ein Krankentagegeld, dessen Beginn zur Gehaltsfortzahlung passt und das dein Nettoeinkommen nicht übersteigt (§ 4 Abs. 2 MB/KT). Den Bedarf rechnet der Krankentagegeld-Rechner; Besonderheiten stehen unter Krankentagegeld für GmbH-Geschäftsführer.
Drei Geschäftsführer, drei Rechnungen
Die Beispiele zeigen, wie stark der Status die Kosten verändert. Sie gelten für 2026, kinderlos, mit 2,9 % Zusatzbeitrag; die PKV-Beiträge sind Annahmen, keine Angebote.
| Fall | Status (angenommen) | GKV pro Monat | Davon du | PKV (Annahme) |
|---|---|---|---|---|
| Gesellschafterin mit 60 %, Gehalt 8.000 € | selbstständig | 1.261,31 € | 1.261,31 € | 700 € – du zahlst alles |
| Fremdgeschäftsführer, 95.000 € im Jahr | beschäftigt, über der Grenze | 1.261,31 € | 648,09 € | 650 € – GmbH zahlt 325 € |
| Gesellschafter mit 30 % ohne Sperrminorität, 60.000 € im Jahr | beschäftigt, unter der Grenze | 1.085,00 € | 557,50 € | nicht zulässig (pflichtversichert) |
Fall 1: Als selbstständige Gesellschafterin zahlt sie in der freiwilligen GKV den Höchstbeitrag allein, mit Krankengeld 1.261,31 €, ohne 1.226,44 €. Eine PKV für 700 € wäre im Monat 561,31 € günstiger – sie muss dann aber Krankentagegeld, Familie und Beiträge im Alter selbst einplanen. Fall 2: Als Beschäftigter über der Grenze zahlt der Fremdgeschäftsführer in der GKV seinen Arbeitnehmeranteil von 648,09 €, die GmbH 613,22 €. In der PKV mit 650 € zahlen beide je 325 €. Fall 3: Mit 30 % ohne Sperrminorität spricht vieles für eine Beschäftigung; mit 5.000 € Monatsgehalt liegt er unter der Grenze und ist pflichtversichert – Arbeitnehmeranteil 557,50 €, die GmbH trägt 527,50 €. Eine private Vollversicherung ist dann nicht möglich.
Weitere Konstellationen: GmbH & Co. KG, Treuhand, mehrere Geschäftsführer
Für Geschäftsführer einer GmbH & Co. KG gelten keine Sonderregeln, sondern die allgemeinen Grundsätze. Die Kommanditistenstellung eines Fremdgeschäftsführers in einer Einheits-GmbH & Co. KG verschafft ihm nach dem IHK-Merkblatt grundsätzlich keine Rechtsmacht gegenüber der Komplementär-GmbH. Bei Treuhandverhältnissen zählt sozialversicherungsrechtlich der im Handelsregister eingetragene Gesellschafter, nicht der Treugeber. Gibt es mehrere Geschäftsführer, sprechen eine Unterordnung unter einen anderen Geschäftsführer oder feste Zuständigkeitsbereiche eher für eine Beschäftigung. Familienbande oder überragendes Fachwissen ersetzen die fehlende Rechtsmacht nicht – die frühere „Herz und Seele“-Rechtsprechung ist aufgegeben.
Rentenversicherung: was der Status noch bedeutet
Der Status entscheidet nicht nur über die Krankenversicherung. Beschäftigte Geschäftsführer sind auch renten- und arbeitslosenversicherungspflichtig – dort gibt es keine Versicherungspflichtgrenze wie in der Krankenversicherung, nur eine Beitragsbemessungsgrenze. Selbstständige Gesellschafter-Geschäftsführer sind in der Regel nicht rentenversicherungspflichtig. Ausnahme nach dem IHK-Merkblatt: Wer im Zusammenhang mit der selbstständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt und auf Dauer im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig ist, kann als arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger rentenversicherungspflichtig sein (§ 2 Nr. 9 SGB VI); als Auftraggeber gelten dabei die Auftraggeber der Gesellschaft. Was die geplante Rentenpflicht für Selbstständige bedeutet, verfolgt Rentenpflicht-Check.
Häufige Irrtümer von Geschäftsführern
- „Als Geschäftsführer bin ich automatisch privat versichert.“ Nein – beschäftigte Geschäftsführer unter der Versicherungspflichtgrenze sind gesetzlich pflichtversichert.
- „Mein Vetorecht im Anstellungsvertrag reicht.“ Nach der Rechtsprechung nicht; zählt ist die Rechtsmacht im Gesellschaftsvertrag.
- „Die GmbH darf mir einfach die Hälfte der PKV zahlen.“ Ein gesetzlicher, steuerfreier Zuschuss setzt eine Beschäftigung voraus (§ 257 SGB V, § 3 Nr. 62 EStG). Alles andere gehört zum Steuerberater.
- „Wenn ich keine Statusfeststellung beantrage, passiert nichts.“ Bei geschäftsführenden Gesellschaftern beantragt die Krankenkasse das Verfahren ohnehin (§ 7a Abs. 1 SGB IV).
- „In der freiwilligen GKV zählt nur mein Gehalt.“ Beitragspflichtig sind alle Einnahmen zum Lebensunterhalt bis zur Bemessungsgrenze, auch Gewinnausschüttungen (§ 240 SGB V).
Begriffe wie Sperrminorität, Statusfeststellungsverfahren und Jahresarbeitsentgeltgrenze erklärt das Lexikon zur Krankenversicherung für Selbstständige.
GKV oder PKV als Geschäftsführer – woran du es festmachst
Die PKV kann passen, wenn …
- du dauerhaft deutlich über der Bemessungsgrenze verdienst
- du Single bist oder dein Partner selbst versichert ist
- du als Beschäftigter den Arbeitgeberzuschuss bekommst
- du Beiträge im Alter einplanst – ohne Zuschuss im Ruhestand, wenn du selbstständig bist
Die GKV ist oft besser, wenn …
- dein Gehalt schwankt oder die GmbH erst aufgebaut wird
- Kinder da sind oder kommen und ein Partner wenig verdient
- der Status noch offen ist und eine Beschäftigung unter der Grenze möglich bleibt
- du absehbar wieder als Angestellter arbeiten willst
Die allgemeine Grundsatzfrage für Selbstständige behandelt GKV oder PKV für Selbstständige. Was dich die GKV bei deinem Einkommen kostet, zeigt der Gründer-KV-Rechner.
Dein Fahrplan als Geschäftsführer in sechs Schritten
- Status einordnen: Kapitalanteil, Sperrminorität, Weisungen – mit dem Status-Check.
- Statusfeststellung klären: Die Kasse beantragt sie bei Gesellschafter-Geschäftsführern; selbst beantragen kannst du auch vor dem Start.
- Frist im Blick behalten: Endet deine Pflichtversicherung, läuft die GKV automatisch weiter; für den direkten Wechsel in die PKV zählen zwei Wochen ab dem Hinweis der Kasse (§ 188 Abs. 4 SGB V).
- Kosten vergleichen: GKV-Beitrag auf alle Einnahmen gegen PKV-Angebote – mit Familie und Alter im Blick.
- Einkommen absichern: Gehaltsfortzahlung im Vertrag, Krankengeld-Wahlerklärung oder Krankentagegeld.
- Steuer klären: Zuschuss und Beitragsabzug mit dem Steuerberater abstimmen – nicht mit uns.
Deine persönliche Auswertung mit Fristen, Kosten und dem Gründer-KV-Fahrplan bekommst du im Gründer-KV-Check. Gründest du die GmbH gerade erst, lohnt auch der Blick in den Ratgeber Krankenversicherung für Existenzgründer.
Häufige Fragen
Ist ein GmbH-Geschäftsführer krankenversicherungspflichtig?
Wenn er abhängig beschäftigt ist und sein Jahresarbeitsentgelt unter der Versicherungspflichtgrenze liegt (2026: 77.400 €), ja – das betrifft typischerweise Fremd- und Minderheitsgeschäftsführer. Gesellschafter-Geschäftsführer mit mindestens 50 % oder umfassender Sperrminorität sind nach der Rechtsprechung meist selbstständig und nicht versicherungspflichtig. Verbindlich entscheidet die Deutsche Rentenversicherung Bund (§ 7a SGB IV).
GmbH-Geschäftsführer: Wer zahlt die Krankenversicherung?
Beim beschäftigten Geschäftsführer teilen sich GmbH und Geschäftsführer den GKV-Beitrag; in der PKV zahlt die GmbH einen Zuschuss bis zur Hälfte, 2026 höchstens 613,22 € (§ 257 SGB V). Der selbstständige Gesellschafter-Geschäftsführer zahlt seinen Beitrag allein – ob die GmbH trotzdem etwas übernehmen kann und wie das steuerlich zu behandeln ist, klärst du mit deinem Steuerberater.
Wie hoch ist der maximale Zuschuss zur PKV für Gesellschafter-Geschäftsführer im Jahr 2026?
Wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer sozialversicherungsrechtlich beschäftigt und nur wegen Überschreitens der Versicherungspflichtgrenze versicherungsfrei ist: höchstens 613,22 € im Monat (508,59 € Kranken- plus 104,63 € Pflegeversicherung), höchstens die Hälfte des tatsächlichen Beitrags. Ist er selbstständig, besteht kein gesetzlicher Anspruch.
Ist ein Geschäftsführer einer GmbH freiwillig gesetzlich versichert?
Er kann es sein – wenn er nicht versicherungspflichtig ist, etwa als selbstständiger Gesellschafter-Geschäftsführer oder als Beschäftigter über der Versicherungspflichtgrenze. Kam er aus der Pflicht- oder Familienversicherung, läuft die GKV automatisch freiwillig weiter (§ 188 Abs. 4 SGB V). Für den Wechsel in die PKV hat er dann zwei Wochen ab dem Hinweis seiner Kasse.
Bekommt ein GmbH-Geschäftsführer Krankengeld?
Als beschäftigter, gesetzlich versicherter Geschäftsführer ja, nach dem Ende der Gehaltsfortzahlung. Als selbstständiger Gesellschafter-Geschäftsführer in der GKV nur mit Wahlerklärung, ab der 7. Woche (§ 44 Abs. 2, § 46 SGB V), 2026 höchstens 135,63 € pro Tag. In der PKV brauchst du ein eigenes Krankentagegeld.
Gelten für den Geschäftsführer einer UG andere Regeln?
Nein. Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist eine GmbH-Variante; für den Status ihres Geschäftsführers gelten dieselben Kriterien – Kapitalanteil, Sperrminorität, Weisungsfreiheit. Weil UG-Geschäftsführer oft wenig Gehalt beziehen, greift in der freiwilligen GKV häufig die Mindestbemessung von 1.318,33 € (2026).
Quellen
- § 7a SGB IV – Feststellung des Erwerbsstatus – abgerufen 10.10.2026
- § 6 SGB V – Versicherungsfreiheit (JAEG, 55er-Regel)
- § 257 SGB V – Beitragszuschüsse für Beschäftigte
- § 240 SGB V – Beitragsbemessung freiwilliger Mitglieder
- § 188 SGB V – obligatorische Anschlussversicherung
- BSG, Urteile vom 14.03.2018 – B 12 KR 13/17 R und B 12 R 5/16 R (Sekundärwiedergabe)
- Niederrheinische IHK: Merkblatt Sozialversicherungspflicht von GmbH-Geschäftsführer/-innen – Stand Juni 2025
- Deutsche Rentenversicherung: Statusfeststellung
- Bundesregierung: Beitragsbemessungsgrenzen 2027 steigen – Kabinettsbeschluss 07.10.2026
- Stiftung Warentest: Private Krankenversicherung im Vergleich (Finanztest 3/2025)
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Kranken- und Pflegeversicherung von Gründern, Selbstständigen und GmbH-Geschäftsführern (Stand: 10. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Status- und Steuerfragen sind hier nur allgemein dargestellt; verbindlich entscheiden Deutsche Rentenversicherung, Krankenkasse und Finanzamt. Herausgeber: PKV-Gründer.de. PKV-Gründer.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.